Freitag,
12.04.2019
Die Nähe zu den Patienten ist entscheidend

Die Nähe zu den Patienten ist entscheidend

Auszubildende und Berufserfahrene erzählen von ihrem Berufsalltag

Azubis


Warum haben Sie sich für einen Ausbildungsberuf im Bereich „Pflege“ entschieden?


„Mir war es wichtig in meinem Beruf etwas zu hinterlassen. Die Nähe zu den Patienten in Kombination mit dem medizinischen Fachwissen ist für mich sehr erfüllend.“ (Nina Reader, Auszubildende zur Gesundheits- und Krankenpflegerin, Ilmtalklinik Pfaffenhofen)

 

„Ich wollte einen Beruf erlernen, der mir viele Möglichkeiten bietet. Im Bereich Pflege gibt es diverse Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, man kann Auslanderfahrung sammeln und sich engagieren, um die Zukunft der Pflege mitzugestalten.“ (Valentina Müller, Auszubildende zur Gesundheits- und Krankenpflegerin im Rahmen eines dualen Studiums (B.Sc.), Uniklinikum Augsburg)

 

Was sind Ihre Hauptaufgaben als Pflegekraft?

 

„Neben der direkten Pflege der Patienten, bin ich auch für die Sicherung der Patientenversorgung nach dem Klinikaufenthalt verantwortlich. Zusätzlich unterstütze ich die Ärzte in medizinischen Angelegenheiten und leiste diverse organisatorische Aufgaben an den Schnittstellen der einzelnen Berufsgruppen.“ (Nina Reader)

 

„Die Aufgaben sind sehr vielseitig, vor allem bin ich für die Grund- und Behandlungspflege zuständig, erstelle Dokumentationen und führe Gespräche.“ (Janina Rohde, Auszubildende zur Altenpflegerin, Pur Vital Pflegezentrum Oberaudorf)

 

„Um pflegen zu können, sollte ich so viel wie möglich über meine Patienten herausfinden. Dazu gehören Gespräche mit ihnen und ihren Angehörigen, die Beobachtung der Patienten und ausreichend Fachwissen, um die individuellen Bedürfnisse zu erkennen.“ (Valentina Müller)

 

Mit welchen beruflichen Herausforderungen sehen Sie sich konfrontiert?

 

„Die größten Herausforderungen sind für mich die zunehmende Komplexität der Krankheiten und der Personalmangel.“ (Valentina Müller)

 

„Es mangelt an neuen Nachwuchskräften sowie an der Würdigung unseres Berufes in der Gesellschaft. Als Altenpflegefachkraft gilt man hauptsächlich als Arbeitskraft, die die meiste Zeit mit den Menschen im Bad auf Toilette verbringt. Aber das ist es nicht, was den Beruf ausmacht.“ (Janina Rohde)

 

„Dazu zählt für mich vor allem das Arbeiten mit den verschiedenen Charakteren der Menschen. Es ist wichtig auf die Individualität einzugehen und die Art der Pflege anzupassen, was in Kombination mit dem Zeitdruck allerdings eine schwierige Aufgabe ist.“ (Nina Reader)

 

Wie sieht für Sie die Zukunft der Pflege aus?

 

„Ich hoffe wirklich, dass sich etwas tut! Aufgrund der körperlichen und psychischen Belastungen im Beruf und der vergleichsweisen geringen Bezahlung gibt es immer weniger Menschen, die sich für einen Beruf im Pflegebereich entscheiden.“ (Janina Rohde)

 

„Ändert sich nicht maßgeblich etwas an der Personalsituation, habe ich wenig Zuversicht für die Zukunft der Pflege. Doch das ist keineswegs ein Aufruf nicht in die Pflege zu gehen, ganz im Gegenteil. In diesem Berufsfeld haben wir Auszubildenden die Chance, die Zukunft aktiv zu gestalten.“ (Valentina Müller)

 

Berufserfahrene

 

Was bedeutet Pflege für Sie?

 

„Den Pflegebedürftigen auf Augenhöhe zu begegnen. Empathisch, wertschätzend und professionell auf ihre individuellen Bedürfnisse einzugehen und sie zu begleiten.“ (Laura Lang, examinierte Altenpflegerin und Praxisanleiterin, Pur Vital Pflegezentrum Oberaudorf)

 

„Für Menschen in extremen Situationen da zu sein und dabei nicht nur den körperlichen, sondern auch den psychischen Aspekt im Auge zu behalten. Außerdem geht es nicht nur darum eine Krankheit zu behandeln, sondern auch die Gesundheit zu fördern.“ (Sandra Heinzinger, Gesundheits- und Krankenpflegerin, Ilmtalklinik Pfaffenhofen)


Inwiefern haben sich die Anforderungen an das Pflegepersonal im Laufe Ihres Berufslebens verändert?

 

„Wir sind nicht mehr nur die Ausführungsgehilfen der Ärzte, die über die Krankenhausflure huschen. Wir haben eigenständige Aufgaben und Kompetenzen, kümmern uns um den Ernährungszustand und die Schmerzen der Patienten, versorgen Wunden, verabreichen Medikamente und helfen dem Patienten mit der richtigen Pflege wieder zur Selbständigkeit. Waschen ist nicht gleich Waschen, denn Saubermachen kann jeder, aber wer schafft es dabei einer Lungenentzündung vorzubeugen oder Schmerzen zu lindern? Die Anforderungen der Pflege sind auch im Bereich der Dokumentation stark gestiegen. Diese läuft mittlerweile zum größten Teil digital. Deswegen gehören Notebooks genauso zur Patientenversorgung wie die Blutdruckmanschette.“ (Anna Stuhlmüller, Zentrale Praxisanleitung, Uniklinikum Augsburg)

 

„Wir übernehmen immer mehr zusätzliche Aufgaben im organisatorischen und verwaltungstechnischen Bereich. Unter anderem unterstützen wir Ärzte bei der Koordination der medizinischen Versorgung und übernehmen die Kommunikation mit verschiedenen Leistungsträgern wie den Krankenkassen. Dafür ist immer mehr pflegerisches und medizinisches Fachwissen, aber auch rechtliches Hintergrundwissen notwendig. Da wir auch in die Beratung der Angehörigen eingebunden sind, werden Empathie und andere soziale Kompetenzen wichtiger.“ (Katharina Pilsl, stv. Pflegedienstleitung und Qualitätsmanagement, Pur Vital Pflegezentrum Trostberg)


Wie sieht für Sie die Zukunft der Pflege aus?

 

„Die Bedeutung von Krankenpflegehelfern als Unterstützung wird immer größer werden. Auch der technische Fortschritt wird Einzug finden, ich hoffe im positiven Sinne. Die Pflege wird aber gerade in Zukunft ein sicherer Beruf bleiben, dessen Möglichkeiten weit übers Krankenhaus hinausreichen werden.“ (Sandra Heinzinger)

 

„Das Thema Pflege wird künftig hoffentlich mehr in die Öffentlichkeit gebracht. Schon in der Schule sollte über die Zukunft der älteren Menschen und deren Integration in die Gesellschaft gesprochen werden.“ (Laura Lang)

 

„Die Pflege wird zunehmend akademisiert. Wünschenswert wäre für die Zukunft eine effiziente Zusammenarbeit von Studierten und gut ausgebildeten Pflegekräften.“ (Katharina Pilsl)

 

 

Foto: Shutterstock.com/Pixel-Shot