Freitag,
12.04.2019
Mangelware Azubi

Mangelware Azubi

Wie Unternehmen um zukünftige Arbeitskräfte werben

Abitur, Studium, Job. So sieht der, oft von elterlichen Wünschen festgelegte, Weg für viele junge Menschen aus. Die Abzweigung zu einer beruflichen Ausbildung wird immer seltener gewählt. Das bekommen auch die Unternehmen zu spüren.


„Der Azubimarkt ist sehr hart umkämpft“, erklärt Anja Kappertz, Personalmanagerin bei Aldi Süd. Jährlich bietet Aldi Süd rund 2.000 neue Azubi Plätze an, doch die Besetzung der Stellen wird immer schwieriger. Auch Andrea Wiesböck, Leiterin des Personalrecruitings bei der B&O-Gruppe mit Hauptsitz in Bad Aibling, bestätigt: „Der Azubimangel macht sich definitiv bemerkbar, besonders im technisch-gewerblichen Bereich“. Die AAC Albert Sigg GmbH in Augsburg zieht mit 14 Auszubildenden zum KFZ-Mechatroniker und 21 Azubis insgesamt zwar eine positive Bilanz für vergangenes Jahr. Doch auch Benjamin Reichert, Leiter der After-Sales Abteilung, sieht einen veränderten Handlungsbedarf von Seiten des Arbeitgebers: „Eine Anzeige schalten und auf Bewerbungen warten reicht nicht mehr.“ Darüber hinaus werden Schulbesuche oder Anzeigen in der Schülerzeitung genutzt, um potenzielle Auszubildende direkt anzuwerben. Auch über die eigene Website und Social Media-Kanäle präsentiert das Unternehmen seine Ausbildungsmöglichkeiten. Benjamin Reichert betont: „Wir übernehmen viele Lehrlinge und bieten dadurch eine berufliche Perspektive mit Sicherheit.“ Ein Azubi-Willkommenstag soll den Einstieg in die Ausbildung erleichtern und die Lehrlinge mit den beruflichen Anforderungen vertraut machen. Daneben stellt AAC Weiterbildungsmöglichkeiten in Aussicht.

 

Von Speed Dating bis Rohkost

 

Zum Werben zukünftiger Azubis nutzt Aldi Süd ebenfalls einen ansprechenden Websiteauftritt sowie Social Media-Aktivitäten. Zudem informiert die Unternehmensgruppe auch die Bezugspersonen der Schüler, wie die Eltern und Lehrer durch zugeschnittene Formate. Im Rahmen von Schulkooperationen werden außerdem Bewerbungstrainings, Speed Datings und verschiedene Workshops angeboten. Durch Praktika und Veranstaltungen sollen mögliche Bewerber einen Einblick in die angebotenen Ausbildungsberufe erhalten. Besonders wirbt das Unternehmen mit einem guten Gehalt, Weiterbildungsangeboten und einem betrieblichen Gesundheitsmanagement, das unter anderem kostenfreie Rohkost und Getränke am Arbeitsplatz umfasst. Für Abiturienten gibt es ein spezielles Programm: mit einer dreifachen Ausbildung in nur drei Jahren steht den zukünftigen Akademikern ein alternativer Ausbildungsweg offen.

 

Von Messe bis Coaching

 

Auch die B&O-Gruppe reagiert auf die wachsende Zahl an Abiturienten. Dabei liegt der Fokus auf der ebenfalls steigenden Anzahl an Studienabbrechern, denen eine attraktive Ausbildung mit Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen als alternative Möglichkeit geboten wird. Beim Anwerben potenzieller Azubis setzt die B&O-Gruppe weiterhin auf die klassischen Wege, wie Messen, Veranstaltungen und Pressearbeit. Allerdings ist auch hier ein klarer Trend hin zur Nutzung von Social Media-Kanälen und Online-Stellenbörsen erkennbar. Die künftigen Azubis erwarten individuelle Schulungen und Coachings sowie eigenständige Projektarbeiten. Das Ziel ist es, möglichst viele Lehrlinge nach der Ausbildung in ein festes Angestelltenverhältnis zu übernehmen. Auch Einsätze an verschiedenen Firmenstandorten, wie Berlin oder Hamburg, sind Teil des Auszubildendenprogrammes.Optimistisch blickt die AAC Sigg GmbH in die Zukunft: „Von unserem Weg weiterhin jedes Jahr möglichst viele junge Menschen auszubilden werden wir sicher nicht abweichen.“ Auch bei Aldi Süd spielt die betriebsinterne Ausbildung von Fachkräften in Zukunft eine entscheidende Rolle für die Weiterentwicklung des Unternehmens.

 

Foto: Shutterstock.com/ Phovoir