Montag,
12.10.2020
Wahre Wertschätzung

Wahre Wertschätzung

Neubewertung des Pflegeberufs nach der Pandemie

Die Bilder gingen um die Welt: Tausende Menschen stehen auf den Balkonen und applaudieren für das Pflegepersonal, dass während der Pandemie Heldenhaftes leistete. Es wurde viel in Talkshows diskutiert, wie der Pflegeberuf attraktiver werden kann. Doch hat sich seitdem etwas geändert?

 

Pflegeberufe gehören zu den systemrelevanten Berufen, und das nicht erst seit der Pandemie. Deswegen setzt sich der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) für eine Anerkennung der Leistung und damit für eine Neubewertung ein. Mit der Kampagne #PflegeNachCorona fordert der Verband von Entscheidern aller Ebenen, dass auf Worte nun auch Taten folgen. Auf der Plattform www.pflegenachcorona.de bietet der DBfK beruflich Pflegenden die Möglichkeit, Forderungen an Politik und Gesellschaft zu den Themen Mitsprache, Bezahlung, Arbeitsbedingungen, Bildung und Gesundheit zu formulieren. „Noch heute leiden unsere Kolleginnen und Kollegen unter einem historisch geprägten Bild der Pflegeberufe, das nicht mehr haltbar ist und die Zukunft der professionellen Pflege gefährdet. Eine zeitgemäße Neubewertung des Berufs muss dem gesellschaftlichen und fachlichen Anspruch an beruflich Pflegende Rechnung tragen. Die Pflege nach Corona ist eine Chance für längst überfällige Veränderungen“, erklärt Prof. Christel Bienstein, Präsidentin des DBfK. Eine weitere Forderung des Verbands ist, die Leistungen der Pflegeberufe entsprechend zu bezahlen, während und nach der Pandemie. „Die Aufrechterhaltung der Versorgung und der Qualität unter durch die Pandemie massiv erschwerten Bedingungen führt zu großen Belastungen der Mitarbeitenden - insbesondere der Pflegenden - in allen Versorgungsbereichen. Sie haben ein erhöhtes Infektionsrisiko, eine höhere Arbeitsbelastung, leisten Überstunden und bewältigen eine Notfallsituation“, so die Präsidentin Prof. Christel Bienstein. Zwar hat die Bundesregierung eine Prämie beschlossen, doch für den Verband hat sie einen „faden Beigeschmack“. Eine systemrelevante Profession wertet man nicht durch Lob und halbherzige Prämien auf, sondern durch nachhaltig angelegte Strategien, die sich parallel über viele Felder erstrecken müssen.“

 

Eine Aufwertung des Pflegeberufs erhoffen sich die Regierung und der Bundesverband durch die Ausbildungsreform. Das Pflegeberufegesetz ist seit Januar 2020 gültig. Statt drei verschiedene Ausbildungen erhalten alle Auszubildenden zwei Jahre lang eine gemeinsame, generalistisch ausgerichtete Ausbildung. Auszubildende, die im dritten Ausbildungsjahr die generalistische Ausbildung fortsetzen, erwerben den Berufsabschluss „Pflegefachfrau“ bzw „Pflegefachmann“. Wer den Schwerpunkt in der Pflege alter Menschen oder der Versorgung von Kindern und Jugendlichen setzen will, kann einen gesonderten Abschluss in der Altenpflege oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflege machen. Nach zwei Dritteln der Ausbildung wurde eine Zwischenprüfung zur Ermittlung des Ausbildungsstandes eingeführt. Ein Bestehen der Prüfung ist aber nicht erforderlich, um die Ausbildung fortzuführen. Stattdessen sollen mit der Zwischenprüfung die bisher erlernten Kompetenzen überprüft werden. Ergänzend zur beruflichen Pflegeausbildung wurde auch ein Pflegestudium eingeführt. Bisher gibt es vier Hochschulen in Bayern, die das Studium anbieten: Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg, die Katholische Stiftungshochschule München, die Evangelische Hochschule Nürnberg und die Technische Universität München.

 

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