Montag,
12.10.2020
Unterschätzte Eigenschaften

Unterschätzte Eigenschaften

Experteninterview zum Thema Introversion und Extrovertiertheit

Jeder Mensch ist anders. Während der eine gerne Referate vor der gesamten Klasse hält, schreibt der andere lieber eine Stegreifaufgabe über das gleiche Thema. Die Persönlichkeit eines Menschen wird von bestimmten Merkmalen geprägt. Introversion und Extrovertiertheit sind zwei gegensätzliche Eigenschaften. Sie beeinflussen das soziale Miteinander. Dr. Sylvia Löhken ist Expertin und hilft Intro- und Extrovertierten, ihre Stärken im Alltag einzusetzen. Wir haben uns mit Dr. Sylvia Löhken über die zwei Charaktermerkmale unterhalten. Zudem gibt sie jeweils drei Tipps für Intros und Extros zum Start ins Berufsleben.

 

Welche Unterschiede gibt es zwischen Intros und Extros?

Dass es einen Unterschied gibt, wurde erst vor knapp 100 Jahren durch den Psychiater Carl Gustav Jung festgestellt. Seine These wurden nur durch Beobachtungen gestützt, heute sehen wir bei Hirnscans einen Unterschied zwischen introvertierten und extrovertierten Menschen. Ein Intro hat beispielsweise eine sehr aktive Großhirnrinde, er ist damit ständig gedanklich beschäftigt. Die Intro- oder Extroversion lässt sich durch einige Merkmale erklären. So handelt ein Intro eher vorsichtig, während ein Extro nicht unbedingt gleich auf das Risiko achtet. Auch in der Arbeitsweise zeigt sich ein Unterschied. Während ein Intro am liebsten an einem ruhigen Ort arbeitet, erzielt ein Extro bessere Ergebnisse, wenn er sich mit anderen austauscht.

 

Wie charakterisiert man einen Intro?

Intros haben viele positive Charaktereigenschaften: Sie sind zuverlässig, bieten ihren Mitmenschen Sicherheit, sie sind unabhängig von der Meinung der breiten Masse und bilden sich lieber ihr eigenes Urteil.

 

Wie kann ich meine vermeintlichen Schwächen als Intro nutzen?

Am wichtigsten ist es, dass ich selbst weiß wer ich bin. Welche starken Seiten habe ich, wie kann ich diese optimal nutzen all diese Fragen sollte man klären. Wenn man selbst das Gefühl hat, dass man etwas nicht so gut kann, dann sollte man eine strategische Allianz bilden. Als Intro kann ich zum Beispiel mit einem Extro für die mündliche Abschlussprüfung üben, dafür helfe ich als Intro einen Extro bei der schriftlichen Prüfung.

 

Introvertiert wird häufig mit schüchtern gleichgesetzt. Doch es gibt einen Unterschied, oder?

Richtig, die Verführung ist groß, beide Eigenschaften in einem Topf zu werden. Doch bei schüchternen Menschen gibt es im Gegensatz zu Intros einen anderen Grund für die Zurückhaltung: Sie haben Angst, von anderen aufgrund ihres Auftretens oder ihrer Worte negativ bewertet zu werden. Schüchternheit ist eine Eigenschaft, die es auch bei Extros gibt.

 

Sind diese Eigenschaften angeboren?

Ja, ob jemand eher introvertiert oder extrovertiert handelt, ist ein Persönlichkeitsmerkmal, dass fest in uns verankert ist. Reize werden beispielsweise anders im Gehirn verarbeitet. Unsere Persönlichkeit prägt uns zwar, aber sie legt uns nicht fest. Deswegen ist es zwar wichtig zu wissen, welcher Typ man ist, aber noch viel wichtiger ist es, seine Stärken dementsprechend einzusetzen.

 

Ist es eindeutig welcher Typ man ist oder gibt es Mischformen?

Kein Mensch hat nur eine der beiden Eigenschaften. Auf einer Skala zwischen diesen beiden Extremen sind wir Mischtypen mit einer mehr oder weniger deutlichen Tendenz. Wer herausfinden will, ob er eher ein Intro oder Extro ist, kann auf meiner Homepage www.intros-extros.com einen kostenlosen Test machen.

 

 

Drei Tipps für Extros zum Start ins Berufsleben

Nutze Deine Fähigkeit, frei und selbstsicher zu reden

Baue Dir in deinem Ausbildungsbetrieb ein Netzwerk auf, indem Du Deine Kraft zur freien Rede nutzt und mit Deinen Kollegen Smalltalk führst.

Wertschätze Kollegen, die anders sind als Du

Stelle Dich nicht über Deine Kollegen oder andere Auszubildende, nur weil sie leiser sind als Du.

Nutze die Fähigkeit, zuzupacken und risikobereit zu handeln

Auch als Auszubildender solltest Du deine Eigenschaften als Extro nutzen und beispielsweise die Initiative bei Projekten ergreifen.

 

Drei Tipps für Intros zum Start ins Berufsleben

Sorg für Deine Sicherheit

Bereite Dich für ein Gespräch, wie zum Beispiel ein Vorstellungsgespräch, gut vor und mache Dir Notizen, die Du mitnimmst ins Gespräch.

Sei Dir Deiner Stärken bewusst

Introvertiertheit ist keine schlechte Eigenschaft, sondern Du kannst mit vielen positiven Eigenschäften glänzen.

Mach Deine Leistung sichtbar

Während Deiner Ausbildung wirst Du die ganze Zeit bewertet. Stelle sicher, dass Dein Ausbilder Deine guten Leistungen anerkennt.

 

Foto: Unsplash.com/Brookecagle